MSTings oder die etwas andere Art zu kritisieren

Sylar
Hallo,

Ausnahmsweise die Fragen zuerst und dann der Text: Was haltet ihr von MSTings? Schreibt ihr selber welche? Wie würdet ihr reagieren, wenn jemand eine eurer Geschichten MSTen würde?

(Ich packe den Thread mal hierhin, aber eigentlich könnte man MSTings überall hin packen. Ist sowohl RPG als auch Fanfic mitdabei.)

Kommen wir zur Erklärung: Ende der 80er hatten ein paar Amerikaner eine geniale Idee für eine US Serie, Mystery Science Theater 3000. Man nimmt alte Filme und kommentiert sie. Klingt wie die Todsünde schlechthin? Ist es aber nicht, denn die gewählten Filme sind meist so schlecht, dass sie ohne den Kommentar wahrscheinlich unertragbar wären. Die Serie war ein riesiger Erfolg in den USA und lief für mehr als 10 Jahre mit knapp 200 Folgen(Und das bei Folgen, die jeweils 2 Stunden dauern). Sogar einen Kinofilm gab es, der es sogar bis nach Deutschland schaffte (Synchronisiert von Kalkofe und seinem Kompetenzteam. Das bedeutet, dass der Humor angepasst wurde und man sich durchaus den Film auch auf Deutsch geben kann ohne zu kotzen.). Schon kurz nach dem Start der Serie wurde es gang und gebe unter den Fans in Foren schlechte Beiträge zu "MSTen" : sprich, man ließ ein paar Charaktere den Beitrag kommentieren. Am Anfang waren es meist noch die Charaktere aus der Serie MST3k, später jedoch weitete sich das aus. Zum einen wurden immer häufiger eigene Charaktere benutzt und zum anderen wurde das ganze nicht nur auf Forums- und Usenetbeiträge beschränkt, sondern auch auf Fanfics ausgeweitet. Und fortan bekamen schlechte Fanfics genau das, was sie verdienten - eine ordentliche Abreibung.


Meine Meinung: Ich finde MSTings genial. Selber dazu gekommen bin ich irgendwann 2002/2003 wo der Webmaster meiner damaligen Lieblingsseite anfing, ein paar DBZ Fanfics zu verarschen - das waren auch das erste deutsche MSTing überhaupt. Seitdem will ich MSTings nicht mehr missen, auch wenn es etwas schade ist, dass sowas noch immer vorallem im US Raum bekannt ist und sich selten deutsche Fanfic-Authoren an ein MSTing wagen.

Quellen und Nachschlagewerk:
MSTing bei Wikipedia
Das erste deutsche MSTing überhaupt
Ansonsten empfehle ich euch bei eurem Lieblingsfanficarchiv nach MSTings zu suchen, bei Animexx und co. gibt es durchaus einige Gute.
Yuki Onna
Zitat:
Schreibt ihr selber welche?

Wäre zumindest noch nicht in diesem Sinne auf die Idee gekommen. Aber je nachdem wäre das bestimmt eine ganz amüsante Sache. Zumindest für mich und die anderen Leser.

Zitat:
Wie würdet ihr reagieren, wenn jemand eine eurer Geschichten MSTen würde?

Ich glaube zuerst wäre ich ziemlich schockiert über diese Tatsache. Danach würde ich mich daran machen, etwas an meinen Geschichten zu ändern, damit sie nicht mehr unter MST leiden müssten.

Wie soll ich sagen... Klar, für die Drittpersonen ist sowas ganz lustig. Aber ich als jemand, der selbst schreibt, finde diese Art der Kritik dann schon etwas arg. Obwohl ich zugeben muss, es gibt Geschichten, die es nicht anders verdient haben. Also Geschichten, wo man bereits von weitem sieht, dass es dem Autor eigentlich scheissegal ist, ob die Geschichte nu ankommt oder nicht... Sprich, er will einfach nur schreiben was ihm passt egal obs dem Rest der Welt passt oder net.
Aber es gibt auch Leute, die schreiben aus Überzeugung FanFics oder andere Storys und denen tun solche Scherze dann ziemlich weh.

Alles in allem kann ich also sagen, dass ich da eher mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe. Zum einen sind sie lustig und zum anderen auch ziemlich brutal. oO
Irvine_Kinneas
Sowas bezeichnest du als Kritik, bzw. als etwas andere Art der Kritik?
Das ist nichts anderes, als Leute fertig machen.
Wenn ich jemanden kritisieren, setze ich mich hin, schreibe ne Kritik, die sowohl negative, als auch positive Aspekte beinhaltet und versuche ihm zu verdeutlichen wo er / sie sich verbessern kann.
Und versuche daraus nicht eine witzige Story auf Kosten anderer Personen zu machen.

Klar, wenn ich das zu ner Serie oder nem Film mache, bzw. generell ein Medium mit dem auch noch Geld gemacht werde, ist es im Grunde eh wurscht. Die Verantwortlichen würden den Text höchst wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen.

Aber bei Animexx oder einem Forum wie diesem das zu bringen, wo der Betreffende es sehen kann. Das finde ich einfach nur noch - sorry für die Wortwahl - arschig.
Jemand der eine FanFic schreibt, will sich - gehe davon jetzt einfach mal aus - verbessern wollen. Und mit so einem Mist, tut man ihm sicherlich keinen Gefallen. Und auch wenn man besser schreibt als jemand anderes, gibt es einem noch lange nicht das Recht diesen auch fertig zu machen, indem man seine Story auf so eine Weise missbraucht.

@ Yuki:
Zitat:
Also Geschichten, wo man bereits von weitem sieht, dass es dem Autor eigentlich scheissegal ist, ob die Geschichte nu ankommt oder nicht... Sprich, er will einfach nur schreiben was ihm passt egal obs dem Rest der Welt passt oder net.

Klar, wenn man die Person kritisiert und die nicht drauf reagiert, ist das ärgerlich. Aber im allgemeinen muss ich hier ein Zitat aus "Forrester - Gefunden" einbringen:
Das was wir für uns schreiben, gelingt immer am Besten.
(Kein wörtliches Zitat, da ich nicht den genauen Wortlaut auswendig weiß)
Von daher sollte man niemandem anprangern, dass er über etwas schreibt, was ihm gefällt. Und man wird nie eine Story finden, die von allen geliebt wird. Jede Medium und jedes künstlerische Werk, wird von irgendwem einfach gehasst.
(Sorry, wenn ich diesen Abschnitt vielleicht falsch verstanden habe. Dann ziehe ich diesen kleinen Kurzkommi natürlich zurück).

MfG Irvine_Kinneas
Yuki Onna
Du hast ihn wohl tatsächlich falsch verstanden. Denn Geschichten, in denen es darum geht, dass diverse J-Rock Stars miteinander rummachen und das auch noch total mies geschrieben ist (zum Beispiel ohne diese lästigen Dinge wie Adjektive oder sogar Grammatik und Stil um Himmels Willen), dann ist eine solche "Kritik" durchaus berechtigt.
Aber ich an deiner Stelle würde mir mal den deutschen MSTing durchlesen, der ist wirklich zu genial. Im Grunde genommen wird die Autorin nicht persönlich und beleidigend angegriffen. Es werden lediglich Fehler aufgezeigt, die man gemacht hat, oder Hintergründe erwähnt, die im Grunde genommen falsch interpretiert wurden. Aber beleidigend wird man nie. Es wird einfach alles etwas ins lächerliche gezogen.
Ich finds mittlerweile sogar schon so witzig, dass ich eine meiner eigenen Geschichten MSTingen werde. *g* Das wird dann wirklich ein Spass xD
Squall
Interessantes Thema. Hoffentlich sind die Beiträge hier nicht schon zu alt, um meinen Senf zum Besten zu geben. Am liebsten hätte ich in dem angehefteten Thread gepostet, aber da geht es ja vielmehr um eigene MSTings.

Bisher habe ich nie wirklich etwas von dieser Form von Kritik gehört, geschweige denn etwas damit anfangen können, aber ich hab mir mal die Mühe gemacht, das etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Art zu kritisieren doch sehr rabiat und teilweise rücksichtslos finde.

Aaaaaaber: Wenn sich ein Autor für dafür bereiterklärt, was hier im Forum ja eh so gehandhabt wird, ist das meines Erachtens durchaus vertretbar und kann sicher auch ganz lustig sein, insofern man weiß, worauf man sich einlässt. Wenn nicht, kann das ganz übel in die Hose gehen und es gibt abgesehen von sich selber niemanden mehr, dem man dafür die Schuld in die Schuhe schieben könnte. Deshalb sollte man sich eine solche Entscheidung meiner Meinung nach, besser zweimal durch den Kopf gehen lassen.

Was ich jedoch ganz und gar nicht vertretbar finde, ist es nach "schlechten", bzw. "peinlichen" Fanfics, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem blutigen Anfänger geschrieben worden sind zu suchen und ihnen dann eine "Abreibung" zu verpassen.
Ich weiß zwar nicht, woher das ursprünglich kommt, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass nicht gerade wenige Leute der Meinung sind, dass wenn man das Werk eines Anderen runtermacht, er sich dazu animiert fühlt, es besser zu machen.

Sicher gibt es genug Autoren, bei denen dies der Fall ist, wobei höchstwahrscheinlich Gefühle wie Ehrgeiz, Stolz und Frustration über seine eigene "Inkompetenz" in eine solche Entscheidung mit einfließen. Jedoch gibt es in der Realität mindestens (!) genau so viele, die aufgrund teilweise böser Kritik die Flinte ins Korn werfen. Bei den Anfängern erst recht.

Ich spreche auch aus eigener Erfahrung, weil ich so das Zeichnen aufgegeben habe und mich der Autoristik zugewandt habe. Zugegeben. Ich habe im Gegensatz zu meiner Schwester in der Tat kein zeichnerisches Talent und vergeig jedes Strichmännchen. Aber wenn meine Mutter damals nur ein Mal "das sieht gar nicht mal sooooo schlecht aus" zu mir gesagt hätte, anstatt immer nur die Bilder meiner Schwester zu loben, wäre mir, da ich ohnehin recht stur veranlagt bin, nie in den Sinn gekommen, es gänzlich bleiben zu lassen. Und da Kinder bekanntlich schnell lernen, wäre ich auch sicherlich besser geworden. Heute ist es dafür jedoch bereits zu spät.

Zwar lernt man druch Übung und wird immer besser, aber leider braucht man meiner Erfahrung nach in der Regel Talent, um im zeichnerischen Bereich der kreativen Gesellschaft wirklich strahlen zu können. Und wahres Talent ist etwas seltenes. Bei der Autoristik ist das jedoch anders. Talent kann hier zwar durchaus förderlich sein, aber wenn ein "untalentierter" Autor an sich arbeitet und bereit ist, einen unter Umständen verdammt schmerzhaften Weg auf sich zu nehmen, kann er selbst, wenn er als Erwachsener anfängt, seine talentierten Kollegen bei Weitem übertreffen. Davon konnte ich mich selbst das eine, oder andere Mal überzeugen. Allerdings muss man dafür schreiben, schreiben und nochmals schreiben.

Viele Fanfic- Autoren, die ihr erstes Werk posten, finden Bücher todlangweilig. Meistens sind sie noch recht jung und wurden unmittelbar vor ihrem Post von einem Videospiel, Manga, oder Anime inspiriert und brauchen ein Ventil.
Selbst ein RPG- Maker Game zu programmieren, ist ein Riesenaufwand und einen Manga zu zeichnen, ebenso. (Wobei man bei beiden mindestens einen ausführlichen Plot niederschreiben sollte, um den Überblick nicht zu verlieren. Für ein Buch wäre sowas zwar auch durchaus vorteilhaft, aber eine eher knappere Geschichte kommt auch ganz gut ohne aus.)

Was tut man also, wenn man weder Fachwissen gesammelt, noch jemals ein Buch in der Hand hatte? Man schreibt seine Geschichte so nieder, wie man es aus dem Fernsehen, oder vom Zocken gewohnt ist. Präzise Beschreibungen werden außer Acht gelassen, weil sie den Handlungsfluss auf den ersten Blick "ausbremsen" und verständlicherweise macht man gerade am Anfang viele Rechtschreib, sowie Grammatikfehler.

Auch schreiben nicht wenige Neulinge sagen wir mal... "unanständige", oder "brutale" Fanfics, da sie ihre Vorlagen auch gerne mal unzensiert erleben wollen. Auch wenn viele Leute solche Werke als "peinlich" bezeichnen würden, finde ich nicht, dass das etwas schlechtes ist.
Da ich selber ganz eigene Geschichten schreibe und es bereits alles, in irgendeiner Form schonmal gegeben hat, ist es für mich zwangsverpflichtend, möglichst viele Geschichten zu kennen, um mich vor dem unbewussten Schreiben eines Plagiats schützen zu können. Zwar bin ich ehrlich gesagt nicht unbedingt Fan von sowas, aber ich kenne auch durchaus anspruchsvolle Hentai, "Meet n´ Fuck"- Games, oder Geschichten, welche in eine ganz ähnliche Richtung gehen, aber auch einige Werke, in denen detaillierte Gewaltszenen gezeigt werden, bei denen man in meinen Augen sogar von Kunst sprechen könnte.
Wenn man es also richtig macht, kann auch eine solche Story glänzen. Sowas ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Und wenn man sich als Anfänger daran versuchen will, warum nicht? Jedoch gehört es bei einer solchen Geschichte, insofern sie "gut" werden soll, in der Regel dazu, seine Seele dem Publikum zu offenbaren und sein Herz zu öffnen. Allerdings endet ein Stich ins Herz bekanntermaßen in den meisten Fällen tödlich.

Stellen wir uns mal einen jungen, frischgebackenen Fanfic- Autor vor, der eine solche Geschichte, mit all diesen Aspekten und Rechtschreibfehlern on Mass irgendwo auf einer Fanficseite postet. Er hat sowas noch nie gemacht, rechnet zwar durchaus mit negativer Kritik, erwartet aber auch positive Reaktionen, um rausfinden zu können, in welche Richtung er sich entwickeln soll und was ihm liegt.
Und dann kommt aus heiterem Himmel irgendsoein Neunmalklug daher, verpasst seiner Geschichte eine "ordentliche Abreibung" und gibt ihr somit "das was sie verdient", um die Worte, des ersten Posts hier aufzugreifen.

Was kommt dabei wohl raus? Wird der Autor etwas daraus lernen? Wird er an sich arbeiten? Wird er in Zukunft "bessere" Geschichten schreiben? Das kann alles durchaus eintreffen, aber viel wahrscheinlicher ist, dass dann erstmal Feierabend ist und es keinen zweiten Post zu seiner Geschichte geben wird.
Niemand hat es verdient, runtergemacht, oder mit Füßen getreten zu werden, nur weil er noch ein Anfänger ist und deshalb auch legitimerweise Fehler macht.
Ich sage nicht, dass man Neulinge nicht auf ihre Fehler aufmerksam machen soll, nur einen fertigzumachen, geht gar nicht. Schlechte Kritik gehört zwar definitiv dazu und muss manchmal sein, um besser werden zu können, aber es gibt Grenzen. Soetwas kann zu schrecklichen Depressionen führen und selbst einem "Profi" seine komplette Karriere ruinieren, wenn er nicht über einen stabilen Charakter (was viele Jugendliche, welche sich in der Pubertät befinden verständlicherweise noch nicht haben) und ein zureichendes Maß an Selbstwertgefühl verfügt.

Was mich persönlich angeht, würde ich ein MSTing auf der einen Seite bei einer dreißig Minuten- Story von mir zulassen. Aber da eine solche lediglich eine Fingerübung darstellt, ist sie es eigentlich gar nicht wert, kritisiert, oder überhaupt eines Blickes gewürdigt zu werden.
Auf der anderen Seite hätte ich kein Problem damit, wenn ich hundertprozentig von meinen Fähigkeiten überzeugt wäre. Allerdings bin ich das erst, sobald ich Weltberühmt bin und mir vom Schreiben alleine, mein komplettes Leben finanzieren kann. Also, lehne ich an diesem Punkt ab.

Selber schreibe ich (auch weil ich erst seit Kurzem davon weiß) keine MSTings. Sollte ich aber irgendwann mal darum gebeten werden, könnte ich beim ersten Anlauf eventuell Probleme damit bekommen, da ich mich in der Regel stets darum bemühe, die Gefühle des Autors nicht zu verletzen.

Wenn jemand das bei mir macht? Im unwahrscheinlichen Fall, dass ich irgendwann mal jemanden darum bitte, würde ich es mit Humor nehmen. Immerhin wäre ich selbst schuld, wenn dabei etwas rauskommt, das mir nicht unbedingt guttut.
Und wenn das jemand einfach ungefragt bei mir machen würde? Darauf habe ich ehrlich gesagt keine Antwort parat. Selbstverständlich würde ich kein Drama daraus machen, wäre aber höchstwahrscheinlich nicht gerade begeistert...