Neue Literaturepoche - Und sie gehört uns!

Cephei
Zitat:
Die Einteilung der Literaturgeschichte in Epochen erleichtert die Verständigung über Literatur und die Auseinandersetzung mit ihr. Wie bei allen Epochenbildungen geht es bei den Epochen der deutschen Literatur darum, Grundströmungen im literarischen Schaffen zu erkennen, zu beschreiben und zu benennen. Bei allen Gemeinsamkeiten innerhalb einer Epoche gibt es immer wieder individuelle Abweichungen davon. Es gibt inhaltliche und zeitliche Überschneidungen zwischen verschiedenen Epochen und auch wenn es teilweise prägnante Epochengrenzen gibt, so sind andere Übergänge eher fließend.


Quelle: http://wiki.zum.de/Epochen_der_deutschen_Literatur


Legt die Postmoderne zu den Akten und lasst uns unsere ganze eigene Epoche beginnen! Nun sind wir am Zug und schreiben Literaturgeschichte! Trotz unseres großen Engagements und dem gewaltigen Interesse, dass uns täglich in unserer Arbeit bestätigt, ist es eine gewaltige Schande, dass wir keine offizielle Anerkennung finden.
Geschichten, Gedichte, Gemälde, Kunstwerke, kritische Texte, eigene Lieder und vieles mehr werden täglich von mehreren Millionen Menschen weltweit veröffentlicht und finden mal mehr, mal weniger öffentliches Interesse. Das Internet hat uns, wie Phönix aus der Asche, mit einem lauten Knall aufsteigen lassen!
Die Kunst auf Deviantart, YouTube und anderen Portalen, Gedichte, Geschichten und Literatur in Internetforen, sowie eigenen Websites und die vielen gesellschaftspolitischen Texte in Kommentaren, Diskussionsforen und Blogs. All dies findet einen gigantischen Zuspruch der mit Milliarden von Klicks täglich bestätigt wird! All dies bildet das gesellschaftliche Interesse! All dies prägt die aktuelle Kultur!
Die großen Namen der Literatur sind in dieser neuen Epoche bedeutungslos, denn dies ist eine Massenbewegung die individueller nicht sein könnte. Diese Epoche macht dieses Paradoxon folgerichtig! Ein jeder hat die Möglichkeit sich daran zu beteiligen, ein jeder macht es bereits. Innerhalb der Masse zählt erstmals das Wort des Individuums. Die Masse trägt in diesem Fall sogar das Individuum und das Individuum trägt die Masse. Das macht diese Epoche so besonders, das macht diese Epoche einzigartig.
Erkennt die neue Form von Literatur und Kunst endlich als eigene Epoche, als neues Zeitalter an! Ein jeder ist zum Schreiber, Maler, Poet, Künstler und Visionär geworden und das schon längst!

Liebe Weltelite der Literatur,

erwacht endlich aus Eurem Winterschlaf und leitet das neue Zeitalter ein, welches uns schon seit Jahren zusteht!
Franz Kefka
Zitat:
Die großen Namen der Literatur sind in dieser neuen Epoche bedeutungslos, denn dies ist eine Massenbewegung die individueller nicht sein könnte. Diese Epoche macht dieses Paradoxon folgerichtig! Ein jeder hat die Möglichkeit sich daran zu beteiligen, ein jeder macht es bereits. Innerhalb der Masse zählt erstmals das Wort des Individuums. Die Masse trägt in diesem Fall sogar das Individuum und das Individuum trägt die Masse. Das macht diese Epoche so besonders, das macht diese Epoche einzigartig.


Und genau das macht diese Epoche...scheiße?

Zunächst einmal fehlt es an Originalität. Was wir im Moment noch machen, ist es, unser neues Potential an narrativen Mitteln umzusetzen und zu entwickeln. Innovative Kreationen diekt sind aber selten und beschränken sich lediglich auf die Reproduktion vorheriger Epochen, gerade weil diese nun für jeden im Zugriff sind. Nennt man glaube ich Medialisierung....

Als nächstes wäre die Qualität unserer Epoche anzusprechen. Jeder ist ein Künstler. Jeder ist ein Kritiker. Aber wenn es jeder ist, ist es zugleich niemand. Die neuen Medien und Verfügbarkeit im Zuge der Globalisierung entwerten jegliche Kunst und jegliche Kritik unter den Mantel der Beliebigkeit, Willkür und Belanglosigkeit.


Und es interessiert mich, inwiefern wir das Postmoderne verlassen haben und was die Epoche, in der wir nun sind, denn jetzt ausmacht.

PS: Literatur existiert m.E. nach weder der Anerkennung noch der Klassifizierung wegen.
Squall
^ Sehe ich ähnlich.

Es ist schon eine Weile her, seit ich ein (meiner Meinung nach) gutes (!) Buch gelesen habe. Und wenn, dann war es meisten nicht jünger, als fünfzig Jahre.

Es stimmt. Heutzutage versucht man fast nur noch das Alte neu aufzulegen, weil bereits nahezu jede Thematik ausgelutscht wurde und etwas unverbrauchtes gerade heute kaum noch zu schaffen ist.

Wenn wir überhaupt eine eigene Epoche der Literatur schreiben, dann wohl eher die, der Ideenlosigkeit und des Mangels an Kreativität.
Aber gut, alt ist ja nicht gleich schlecht. Bewährte Schemata wie "Ritter erschlägt Tyrannen und rettet Prinzessin", "Junge und Mädchen verlieben sich, was aufgrund verschiedener Faktoren in die Hose geht und Bumm", oder "Protagonist verlässt sein Haus und wacht in einem Albtraum auf" kann man sich ja immer wieder geben, aber wenn ich einen Vampirroman in die Hand nehme, bei dem allein schon das Cover danach schreit, dass man damit den Vampir- Hype von damals wieder aufleben lassen will, hab ich mich innerlich schon mindestens drei Mal übergeben, ehe ich den Buchrücken zu Ende gelesen habe.

Was mir noch aufgefallen ist (aber das kann natürlich auch nur eine Frage des Geschmacks sein), dass die aktuelle deutsche Literatur dem Rest der Welt rein qualitativ schon lange nicht mehr das Wasser reichen kann. Ehrlich, John Tolkien würde im Grab rotieren, wenn er wüsste, was hierzulande für Schund (wird fairnesshalber und zum Schutz der Autoren nicht beim Namen genannt) kursiert. Natürlich habe ich auch bereits schon viel Mist aus Übersee gelesen, aber ich könnte so gut wie gar keine deutschen Romane aus der heutigen Zeit, die mir wirklich zugesagt haben nennen.

Naja, wen wunderts. Es scheint wohl in der Natur des Deutschen zu liegen, sich gegenseitig fertig zu machen, damit man selbst (Pustekuchen) besser glänzen kann. So kann natürlich nichts anständiges dabei rauskommen. Wenn ich als Beispiel einem deutschen Kollegen erzähle, dass ich den Durchbruch schaffen will, sagt der "schaffst du eh nicht". Erzähl ich das hingegen einem Bekannten aus Amerika, sagt er "ich drück dir die Daumen". Und wenn ich dann scheitere, bringt der Deutsche sowas wie "ich habs dir ja gesagt", wobei der Amerikaner mit "das tut mir Leid für dich" kommt. Wenn man es hingegen schafft, wird der Deutsche neidisch, wobei sich der Amerikaner für einen freut.
Von diesem Muster habe ich mich selbst das eine, oder andere Mal überzeugen dürfen.

Auch sollte man nie und damit meine ich wirklich NIE in der deutschen Literaturszene mit einer überdurchschnittlichen Geschichte ankommen und nach der ehrlichen Meinung, anderer "professioneller" Autoren fragen. Das endet nur in einem Fiasko. Denn laut vieler Solcher ist (insofern sie es nicht schaffen, Fehler in der Grammatik, oder Rechtschreibung zu finden) alles, was neuartig ist, "Scheiße" und alles, was altbewährt ist, abgekupfert. Sprich- Man hätte logisch betrachtet gar nicht erst anzufangen brauchen, weil man es gar nicht richtig machen kann.
Ich sage nicht, dass das immer der Fall sein muss, aber die Chancen stehen nicht schlecht.

Was mich noch an der deutschen Literaturszene stört ist, dass Neulinge oft mit Füßen getreten und erniedrigt werden. NATÜRLICH macht man als Anfänger Fehler. Nur so kann man es wirklich lernen. Das war bei mir selbst und bei allen Anderen nicht anders. Ob man es nun will oder nicht, man MUSS Fehler machen. Aber deshalb muss man einen noch lange nicht fertigmachen. Und sich dann als Mobber selbst auch noch zu wundern, warum es kaum noch Nachwuchs gibt, grenzt fast schon an Hirnrissigkeit.

Irgendwie ironisch finde ich es aber dann doch, wenn ich einem vermeintlichen "Profi" in einem Literaturforum dabei zusehe, wie er einen Anfänger unter dem Mantel der Objektivität runtermacht und dabei selbst nichts anständiges zu Papier bringt. Und wenn ich den dann darauf anspreche, stellt er sich dumm und meint, ich durchschau das nicht. Toll, solche sind mir die Liebsten. -.-#

Selbstverständlich trifft das nicht auf alle deutschen Autoren von heute zu und wahrscheinlich auch bei Weitem nicht auf die Mehrheit, aber definitiv auf einen entscheidenden Teil, der sich aktiv in der Szene bewegt, mit seinem aggressiven Verhalten auffällt und so Einfluss nimmt. Und sicher gibt es auch außerhalb Deutschlands solche "Burner", aber beim Besten Willen nicht in SO einem Ausmaß. Das weiß ich, weil mit ein paar Kollegen aus dem Ausland regelmäßigen Kontakt pflege.
Übrigens ist das auch der Grund, warum meine persönlichen Werke (Fanfics ausgeschlossen) entweder über meine Leiche, oder über einen Verlag mein Archiv verlassen und ich nur befreundeten, deutschen Kollegen über den Weg traue.

Anyway, bevor man wirklich von einer neuen Epoche der Literaturgeschichte sprechen kann, sollte man sich erstmal fragen, wodurch sich diese definiert.

Wenn ich so darüber nachdenke, würde mir nur "das Ende" oder eventuell ein großes "Umdenken" einfallen. Die Literatur wird es immer geben. Aber Bücher selbst sind längst aus der Mode und ich bin mir sicher, dass die Nachfrage immer weiter nachlassen wird, da eine gute Geschichte auch in Form eines Films/ einer Serie/ eines Spiels schön umgesetzt und mit tollen Effekten und Soundtracks ausgestattet werden kann, während das Niveau an Unterhaltungspotential bei einem konventionellen Buch sich alleine auf das Lesen und die Vorstellungskraft des Konsumenten selbst (die nicht immer hoch ist und oft durch Bilder und Klänge erst richtig angeregt wird) beschränkt.

Ein recht aktuelles, aber doch heikles Thema sind E- Books. Für die braucht man nämlich nichtmal einen Verlag und kann sie mit eigenen Soundtracks (allerdings muss man die auch wirklich selbst machen, oder sich die nötigen Rechte dafür erwerben) ausstatten. Das ist an sich ganz praktisch, aber dafür besteht ein erhöhtes Risiko, dass sie einfach kopiert und rumgeschickt werden. Also, dass man damit nicht so viel Geld macht, wie es einem eigentlich zustehen würde. Aber ob E- Books wirklich eine Zukunft haben? Das steht noch in den Sternen.

Auch wenn dieser Gedanke mir das Herz bricht, vermute ich dass es in ferner Zukunft nicht mehr all zu viele konventionelle Buchautoren mehr geben wird. Vielleicht schreibt man später viel mehr an Drehbüchern zu Serien und ergänzt sie dann im Nachhinein zu einem Roman für die Hardcorefans, insofern diese Hits werden, aber das sind natürlich nur reine Spekulationen.
Und solange wir bei den Spekulationen bleiben, kann von einer (wirklichen) neuen Epoche eigentlich keine Rede sein.

Zitat:
Liebe Weltelite der Literatur,

erwacht endlich aus Eurem Winterschlaf und leitet das neue Zeitalter ein, welches uns schon seit Jahren zusteht!


Und genau das ist der springende Punkt.
Das "neue Zeitalter" ist eben noch nicht eingeleitet worden.
Um das zu ändern, sollte man meiner Meinung nach, erstmal was gegen die oben genannten unsozialen Verhaltensmuster unternehmen. Das wäre schonmal ein Schritt in die richtige Richtung.
Und der zweite Schritt wären dann die Ergbebnisse. Die braucht man nämlich, um eine neue Epoche zu definieren.
Es sollte etwas authentisches sein, etwas woran sich die Leute erinnern. Wenn man aber laufend alte Konzepte covert, erinnert man sich höchstens an die Epochen, aus welchen diese stammen.
Im frühen Mittelalter gab es ein "Urkonzept": Gut gegen Böse, sprich Protagonist gegen Antagonist. Damals konnte man sich eine Geschichte mit detaillierten, sexuellen Exzessen und unmoralischen Entscheidungen des Protagonisten kaum vorstellen. Heute ist es kaum mehr etwas Besonderes. Was wäre also der nächste Schritt in Richtung Zukunft? Propaganda, psychische Gewalt, Verbalsprache?
...Das kann doch längst nicht alles sein! ... Es müssen deutlich mehr Innovationen her, WAHRE Innovationen und nicht diese typischen Zwangsinnovationen, die nur dazu da sind, die Veröffentlichung einer Arbeit zu legitimieren. Und vor Allem, müssen die Innovationen einen gewissen Reiz haben, sich aber zeitgleich vom Alten abheben.

Klingt an sich doch eigentlich gar nicht mal so schwer zu bewerkstelligen, oder? Ist es aber.
Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ein Werk zu schaffen, das sich von denen anderer Epochen abhebt, aber dafür gehört schon einiges dazu. Wer aber sowas zu Stande bringt, ist in meinen Augen ein wahrer Künstler. (Und ich erkenne nicht jeden, als einen Solchen an.)
Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass eine solche Arbeit erst nach dem Tod des Künstlers den ganz großen Durchbruch schafft. Es mag grausam klingen, aber so spielt das Leben.
Mir selbst fallen spontan nur zwei Werke aus den letzten zwanzig Jahren ein, die meiner Meinung nach ein solches Potential mitbringen würden und auch bereits andere geprägt haben, jedoch handelt es sich bei ihnen ursprünglich nicht um Bücher. Aber nur zwei Meisterwerke, in ganzen zwanzig Jahren, die es geschafft haben, mich restlos (!) zu überzeugen sind einfach zu wenig. Es müssen deutlich mehr her und vor Allem müssen sie neue Standards setzen, damit ich persönlich (!) von einer neuen Epoche sprechen kann.
anghbalahr
Man müsste halt ein Gemeinschaftswerk machen,von so kolossalem Ausmaße,dass es
die Literatur neu ordnen würde,oder sie in den SCHATTEN STELLT:
Dabei denke ich zum Beispiel daran,dass sich zwanzig Personen oder mehr,auf eine
Region,oder fiktive Welt einigen.
Die besonderen Merkmale herausarbeiten,spezielle Eigenarten(Magie,Neokromantie,
Gottgleichheit) festlegen,und dann zusammen eine Geschichte schreiben,jeder mit seinen eigenen speziellen Character(Hauptperson),und deren speziellen Blickwinkel herausarbeiten,während die Geschichte weitergesponnen wird.
Natürlich wäre das eine zeitaufwendige Methode,und wäre nicht grade
Profit orientiert,aber schon allein aus der Lust zum Schreiben und das Ziel vor Augen,eine einzigartige Geschichte zu schreiben,würde ich bei genügender Zustimmung so etwas versuchen in die Wege zu leiten.

Gruß: euer angh großes Grinsen